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Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) – Materialien, Verputzen und Sanierung

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) dienen seit Mitte der 1960er Jahre zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden. Sie kommen im Neubau und bei Sanierungen zum Einsatz – Ausnahmen bilden denkmalgeschützte Gebäude und Fachwerkhäuser, da die WDVS die historische Fassade verdecken würden. Neben Styropor sind zahlreiche weitere Dämmstoffe möglich. Auch die abschließende Fassadengestaltung umfasst vielfältige Alternativen. Darüber hinaus müssen Altsysteme nicht unbedingt sofort entsorgt, sondern können aufgedoppelt werden.

Aufbau und Funktionsweise von WDV-Systemen

Es handelt sich dabei um eine mehrschichtige Konstruktion, die auf der Außenfassade angebracht wird. Die einzelnen Komponenten sind aufeinander abgestimmt: die Befestigung auf der Tragewand, die Wärmedämmung, die Armierungsschicht und der Außenputz. Die grundlegende Aufgabe von WDVS liegt in der eben genannten Wärmedämmung. Es verhindert, dass weniger Heizwärme über die Wände eines Gebäudes nach außen dringt. Das reduziert die Energiekosten, den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die CO2-Emissionen.

WDVS ist mehr als Styropor

Heutzutage erhalten mehr als 90 Prozent der Gebäude eine Wärmedämmung aus Polystyrolplatten (EPS/XPS), gemeinhin auch Styropor genannt. Daneben kommen insbesondere Mineralfaserplatten und Holzfaserdämmplatten zum Einsatz. Generell lassen sich die Dämmstoffe in zwei Kategorien einteilen: organische und anorganische Dämmstoffe. Innerhalb einer Gruppe erfolgt eine Unterscheidung in natürliche und synthetische Materialien.

  • In die Kategorie der synthetischen anorganischen WDVS gehören Aerogel, Mineralwolle und Mineralschaum. 
  • Styropor, Phenolharz- und Polyurethanplatten werden als synthetische organische Dämmmaterialien bezeichnet.
  • Zu den natürlichen organischen zählen beispielsweise Holzfasern, Hanfwolle oder Korkplatten.

Kriterien zur Auswahl des passenden Dämmstoffs

Bei der Auswahl eines geeigneten Wärmedämmverbundsystems entscheidet eine Reihe von Faktoren darüber, inwieweit das Dämmmaterial für ein bestimmtes Gebäude, dessen Lage und Bauweise sowie die energetischen Ziele passt:

  • Wärmeleitfähigkeit: Sie gibt an, wie viel Wärme durch das Dämmmaterial nach außen dringt. 
  • Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl μ: Je höher dieser Wert, desto weniger Dampf dringt in den Stoff ein, was sich positiv auf die Energieeffizienz auswirkt. 
  • Rohdichte: Sie beschreibt das Verhältnis der Masse zum Volumen des WDVS. Eine geringere Dichte ermöglicht eine bessere Dämmung. Mit einer höheren Dichte kann die Dicke des Dämmmaterials reduziert werden. 
  • Primärenergiegehalt: Er informiert darüber, wie viel Energie für die Herstellung eines WDV-Systems von der Gewinnung der Rohstoffe bis zum Endprodukt benötigt wird. 
  • Baustoffklasse: Sie definiert die Brandeigenschaften eines Materials.

Eine ausführliche Übersicht zu den Eigenschaften der verschiedenen Dämmmateralien liefert die Metastudie „Wärmedämmstoffe“ des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) München. Bevor jedoch die Entscheidung für ein bestimmtes WDVS fällt, sollte ein Experte prüfen, inwieweit ein solches System die Energiebilanz des Gebäudes wirklich verbessern kann.

Zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für WDV-Systeme

Die Befestigung der Dämmmaterialien auf der Tragwand kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Eine Möglichkeit ist, das WDVS mit einem speziell darauf abgestimmten Kleber zu fixieren. Des Weiteren gibt es die Kombination von Kleben und Dübeln sowie die mechanische Befestigung über Schienen. Welche Variante zum Einsatz kommt, hängt vom gewählten Dämmstoff, dessen Gewicht und dem Untergrund ab. Beispielsweise ist es nicht erlaubt, Steinwolle zu verkleben. Hier ist ein Verdübelung unbedingt erforderlich.

Die Vielfalt der Fassadengestaltung auf WDVS

Gedämmte Fassaden müssen nicht überall dasselbe Erscheinungsbild zeigen. Das Verputzen und das Verkleiden sind zwei grundsätzliche Möglichkeiten, um die Außenwände über dem WDVS zu gestalten. Für die erste Variante stehen Putze aus Mineralien, Silikaten, Kunstharz oder Silikonharz zur Verfügung. Sie können in allen gängigen Oberflächen und Korngrößen aufgetragen werden. Silikat- und Mineralputze haben eine begrenzte Farbauswahl, bei den zwei anderen Alternativen ist sie dagegen nahezu unbegrenzt. Der Putz auf dem WDVS wird entweder vor dem Auftragen eingefärbt oder es erfolgt ein abschließender Anstrich mit Farben, die auf den jeweiligen Putz abgestimmt sind. Das heißt, für einen Silikatputz sind beispielsweise Silikatfarben notwendig. Die zweite Variante, die Verkleidung, lässt ebenso zahlreiche Gestaltungsspielräume. Möglich sind keramische Flächen, Stein, Glas, Klinker oder Holz.

Die Sanierung und Modernisierung von Wärmedämmverbundsystemen

WDVS aus Styropor standen in letzter Zeit immer wieder in der Kritik, da sie sich schwer recyceln lassen. Es ist richtig, dass die Industrie ihre Technologien verbessern muss, um den Anteil an EPS-Abfällen von derzeit 25 Prozent bei der Wiederverwertung zu erhöhen. Wärmedämmverbundsysteme sind jedoch sehr langlebig, weshalb sie sich durch das Aufdoppeln einfach modernisieren lassen.

Die Nachdämmung lohnt sich, wenn sowieso eine Sanierung der Fassade oder des gesamten Gebäudes vorgesehen ist. Die Mehrkosten für alle Maßnahmen erhöhen sich dadurch nur geringfügig, da beispielsweise das Gerüst für mehrere Arbeitsschritte genutzt wird. Das WDVS ist nur ein Element in der energetischen Sanierung von Gebäuden. Deshalb könnte die Baumaßnahme mit weiteren kombiniert werden, zum Beispiel mit dem fachgerecht ausgeführten Einbau von wärmeisolierenden Fenstern und Türen. Hier ist besonders auf die Abdichtung der Anschlussfugen zu achten.

Die Aufdopplung an sich wird notwendig, wenn Alterungsprozesse an der Bauteiloberfläche einsetzen. Das dauert je nach Modell etwa 25 bis 50 Jahre. Darüber hinaus erhöht der Gesetzgeber regelmäßig die Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden. Ein Rückbau des alten WDVS geschieht dann äußerst selten. Vielmehr erfolgt eine Integration des Altsystems in ein neues Wärmedämmverbundsystem, die sogenannte Aufdopplung.

Doch nicht alle WDVS sind sanierungsfähig. Die alten Systeme müssen aus EPS, Mineralwolle oder Mineralwolle-Lamellen bestehen, standsicher sein sowie eine Putzbeschichtung haben. Außerdem dürfen sie nur auf das darunterliegende Mauerwerk geklebt oder gedübelt sein. Schienensysteme sind aus baurechtlichen Gründen von der Aufdopplung ausgeschlossen.

Auswahl des WDVS: eingehende Analyse der Baustruktur vornehmen

Wärmedämmverbundsysteme leisten einen bedeutenden Beitrag, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern. Forscher am Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt gehen davon aus, dass sie die Energiekosten langfristig um 25 bis 30 Prozent reduzieren. Zahlreiche Materialien sowie Oberflächenbeschichtungen, die viel Individualität ermöglichen, stehen zur Verfügung. Da jedes Gebäude einzigartig ist, sollte ein Experte vorab analysieren, welches WDVS am besten geeignet ist, um die energetischen Ziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang spielt die Vermeidung von Wärmebrücken eine große Rolle, die wir Ihnen in unserem Beitrag über energetische Schwachstellen in der Gebäudehülle erläutern.