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Kein Platz für Schimmel: Grundregeln für den richtigen Einbau

Jeder weiß: Damit kein Schimmel entsteht, muss man Dauerfeuchte verhindern. Geht es aber an Detailplanung und Ausführung, werden aus Unwissenheit oder Fehleinschätzung oft Fehler gemacht. Zeitdruck auf der Baustelle, unzureichende Planung und eine schlechte Koordination der Gewerke machen die Situation nicht besser. Dabei sind die Herausforderungen groß. Denn heutige Bauweisen erfordern eine perfekte Luftdichtheit, um Feuchtigkeit zu vermeiden. Wenn man ein paar Grundregeln beachtet, steht einem fachgerechten Fenstereinbau aber nichts im Wege. Welche das sind, erläutern unsere Experten – Anwendungstechniker Andreas Zimmermann und GIH-Dozent Wolfram Kommke – in Teil 2 unserer Beitragsreihe zur Schimmelbildung. 

Abdichtung von Bauteilanschlüssen

Theoretisch ist alles klar: Eine Gebäudehülle muss die Anforderungen an Wärmedämmung, Schlagregenschutz, Luftdichtheit und Dampfdichtheit leisten. Das kann sie aber nur so gut wie jedes ihrer Einzelteile. Während Wände und insbesondere die Hightech-Fenster von heute diese Aufgaben ohne weiteres erfüllen, ist die Lage an den Schnittstellen zwischen beiden Bauteilen deutlich schwieriger. Verschiedene Wärmeleitfähigkeiten und physikalische Zustände treffen hier aufeinander. Verändert man dieses Zusammenspiel – etwa bei einer Sanierung – kann das unangenehme Konsequenzen haben, wenn man entscheidende Grundregeln nicht beachtet.

Das Fenster: Viel Raum für Fehler

Viel falsch machen kann man mit der Lage des Fensters. Wird es in einer monolithischen Außenwand zu weit außen montiert, treffen durchgekühltes Mauerwerk und feuchtwarme Raumluft unmittelbar aufeinander. Dadurch entsteht eine zu hohe relative Feuchte, die sich über einen längeren Zeitraum hält. Im schlimmsten Fall kommt es zu Tauwasserausfall. Die Folge: ein gut sichtbarer Schimmelstreifen, der sich früher oder später parallel zum Fenster auf der Laibung abzeichnet. Besonders neuralgische Punkte sind die oberen und unteren Anschlussdetails, also Fensterstürze aus Beton und Fensterbankanschlüsse.

Die korrekte Fensterposition: Taupunkt berechnen

Schimmel zeigt an, wo die Oberflächentemperatur zu niedrig ist und folglich der Anschluss des wärmedämmenden Fensters hätte liegen sollen. Mit Isothermen- und Feuchtigkeitsberechnungen kann man dem Pilz zuvor kommen. Die vorgesehene Position des Fensters in der Laibung lässt sich so vorab überprüfen und entsprechend korrigieren. Leider wird das bei energetischen Sanierungen oft unterschätzt – oder vergessen. Das geschieht insbesondere dann, wenn der Fensteraustausch und die Dämmung der Außenwand zwar in einem Zug geplant werden, aber nicht zeitgleich stattfinden. Bauherren sollten deshalb dahingehend beraten werden, dass eine Sanierung in einer Bauphase erfolgt.

Die luftdichte Gebäudehülle: Eine Herausforderung

Eine noch größere Herausforderung – weil weit weniger gut kontrollierbar – ist die Gebäudehülle. Sie soll lückenlos luftdicht sein. Besonders am Fensteranschluss gestaltet sich das kompliziert. Hier müssen oft mehrere Materialien innenseitig luftdicht miteinander verbunden werden. Leckagen oder Fehlstellen sind überbaut oder abgedeckt später nicht mehr zu sehen. Doch genau an diesem Punkt dringt die feuchte Raumluft ein und kondensiert im Inneren der Fuge. Die Feuchtigkeit mindert die Effizienz der Wärmedämmung und führt somit auch an dieser Schwachstelle auf Dauer zu Schimmelbildung. Deshalb muss die Fuge muss möglichst abgedichtet und gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass die über Diffusionsvorgänge eingedrungene Feuchtigkeit leichter nach außen entweichen kann, als sie von der Raumseite nachkommt.

Das Prinzip: Innen dichter als außen

Wie man das macht, beschreibt der RAL-Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Modernisierung anschaulich und praxisnah. Viele auf dem Markt bewährte Produkte sind verfügbar: Fugendichtungs- und Fensteranschlussfolien, komprimierte Fugendichtungs- und Multifunktionsbänder, Fensterschäume und Dichtstoffe. Ziel ist eine Konstruktion, die innen luftdicht und dampfbremsend, außen dampfdiffusionsoffen, schlagregendicht und witterungsbeständig und mittig wärme- und schalldämmend ist. Dafür müssen die Abdichtungsmaterialien dauerhaft funktionieren und so aufeinander abgestimmt sein, dass sie entsprechend ihrer Lage in der Fensteranschlussfuge die Luftströmung von der Raum- zur Außenseite ausschließen und gleichzeitig die Dampfdiffusion nach außen ermöglichen.

Fehlerquelle Fenstereinbau

Voraussetzung für eine fachgerechte Ausführung ist eine gute Kommunikation zwischen allen Baubeteiligten. Das fängt mit einer soliden Detailplanung an, die nicht alleine dem Fensterbauer überlassen werden sollte. Der muss zudem in der Lage sein, die gewählten Produkte richtig zu kombinieren. Das geringste Risiko geht ein, wer sich für ein entsprechend geprüftes Abdichtungs-System entscheidet. Ungeachtet dessen können beim Einbau Fehler unterlaufen. Folien, die jeweils nur für innen oder außen verwendbar sind, werden schnell verwechselt. Das verhindert nicht nur, dass die Feuchtigkeit nach außen entweichen kann. Sie staut sich auch an der Innenseite der äußeren Folie. Hersteller sollten daher Produkte so konzipieren, dass sie sich intuitiv korrekt montieren lassen. Bei den genannten Folien hilft ein variabler Sd-Wert. So können sie innen und außen angebracht werden.

Auch mangelnde Sorgfalt bei der Ausführung von Abdichtungen führt zu Problemen. Oft wird hierfür in der Angebotskalkulation nicht ausreichend Zeit vorgesehen. Dazu kommt, dass auf der Baustelle in der Regel unter Zeitdruck gearbeitet wird. Wer sich darauf verlässt, „dass alles schon irgendwie funktionieren wird“, hat perspektivisch das Nachsehen: Schimmel am Fenster als Hausbesitzer und Kunden-Reklamationen als Verarbeiter.

Ein paar Grundregeln beim Einbau helfen Schimmelbefall an Fensteranschlüssen zu vermeiden. Weitere Tipps von unseren Experten gibt es im ersten Teil dieses Beitrags, der ursprünglich als Artikel in Ausgabe 6/2017 der Zeitschrift „Gebäude Energieberater“ erschienen ist.