EMICODE: Gütesiegel für gesundes Wohnklima

 

Zwischen 80 und 90 Prozent unserer Arbeits- und Freizeit halten wir uns in geschlossenen Räumen auf. Fast 21 Stunden täglich sind das im Durchschnitt für Erwachsene, 15 davon in der eigenen Wohnung. Unser Nachwuchs bringt es auf 14 bis 19 Stunden im elterlichen Domizil – die meiste Zeit im Kinderzimmer. Dabei atmen wir am Tag zwischen zehn und 20 Kubikmeter Luft ein. Deshalb sollten wir sicher sein können, dass sie auch in Innenräumen wirklich gut ist.

Die Luftqualität in Räumen hängt nicht zuletzt davon ab, was in ihnen verarbeitet wurde. Emissionsarme Produkte sind deshalb für ein gesundes Wohnklima im Innenausbau gefragt. Allerdings ist der Markt für Baustoffe komplex. Was ein Produkt enthält – und wann das gegebenenfalls nach dem Einbau austritt – sieht man ihm nicht an. Das Prüfzeichen EMICODE sorgt als Orientierungshilfe bei Herstellern, Anwendern und Verbrauchern für Durchblick.

Die VOC-Verordnung: Zähmt flüchtige Verbindungen Emissionen gibt es überall. Für die Qualität der Raumluft sind VOCs ¬– Abkürzung für „Volatile Organic Compounds“– von Bedeutung. Diese „flüchtigen organischen Verbindungen“ gehen bei Zimmertemperatur vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über und gelangen in die Atemluft. Ins Haus kommen sie als Bestandteil von Lösemitteln und anderen bauchemischen Komponenten: Farben, Lacke und Klebstoffe. Bekannt ist vor allem Formaldehyd. Nicht alle VOCs gefährden die Gesundheit. Dem Wohnklima zuträglich sind jedoch die wenigsten.

In den 1980er Jahren ergaben Messungen in niederländischen Wohnzimmern eine organische Schadstoffkonzentration, die im Schnitt 14 Mal höher war als in dem dazugehörigen Außenraum. Seitdem hat sich viel getan. Um den Risiken durch das dauerhafte Einatmen von schädlichen Stoffen für die Gesundheit Rechnung zu tragen, wurde 1999 eine EU-Richtlinie zur Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen erlassen. Seit 2001 ist sie auch deutsches Recht. Als „VOC-Verordnung“ legt sie Höchstwerte für die zulässigen Gesamtemissionen von Lösemitteln fest.

Gesucht: Emissionsarm und einwandfrei funktionstüchtig

Die Industrie hatte die Notwendigkeit zu handeln frühzeitig erkannt und eilte der Gesetzgebung voraus. 1997 schlossen sich namhafte deutsche Hersteller von Bodenbelagsklebern zur GEV, der „Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe e.V.“., zusammen, um möglichst emissionsarme Materialien zu entwickeln. Als neutrales Klassifizierungssystem führten sie EMICODE ein. Verbraucher, Anwender und Planer sollten eine Orientierungshilfe für auf dem Markt verfügbare Produkte und Technologien bekommen. Seit 2007 werden auch Klebstoffe und Bauprodukte geprüft und mit dem EMICODE-Gütezeichen versehen.

Dabei heißt emissionsärmer nicht automatisch besser: Ausgezeichnet wird größtmöglicher Gesundheitsschutz ohne Beeinträchtigung der Produktqualität. Ein lösemittelfreier Kleber beispielsweise, der aber die Holzdielen nicht zuverlässig am vorgesehen Platz fixiert, fällt durch im EMICODE-System.

Gütezeichen als Orientierungshilfe für Planer, Architekten und Verbraucher

Das EMICODE-Prüfzeichen gibt es für alle wichtigen Produktgruppen, die bei Bodenbelags-, Parkett- und Fliesenarbeiten Verwendung finden. Die GEV entwickelt die Prüfmethoden und Einstufungskriterien ständig weiter, um ein noch breiteres Spektrum an Produkten und Anwendungen ins EMICODE-System aufzunehmen. Ziel ist es, im komplexen Markt der Baustoffe eine Orientierungshilfe für den ganzheitlich emissionsarmen Innenausbau zu bieten, von der alle Beteiligten profitieren: 

  • Verbraucher haben die Sicherheit, in ihren eigenen vier Wänden von gesundheitlich unbedenklichen Materialien umgeben zu sein. 
  • Handwerker können mit gutem Gewissen Produkte verarbeiten, die ihre Kunden und sie selber keinen Schadstoffen aussetzen.
  • Architekten sind in der Lage, noch gezielter zu beraten und den Wunsch vieler Auftraggeber nach einem gesunden Wohnklima optimal umzusetzen.
  • Die Industrie ist motiviert, ihre Produkte weiter auf hohem Qualitätsniveau herzustellen und kontinuierlich zu verbessern.

EMICODE: Gütezeichen mit drei Klassen

Das EMICODE-Siegel wird in drei Abstufungen vergeben:

  • EMICODE® EC 1PLUS* garantiert als Premiumklasse die strengsten Emissionsgrenzwerte im Markt und bietet Anwendern und Verbrauchern höchstmögliche Produktsicherheit im Hinblick auf Schadstoffemissionen.
  • EMICODE® EC 1* zeichnet als zweitbeste Güteklasse „sehr emissionsarme“ Materialien aus.
  • EMICODE® EC 2* besagt, dass Produkte „emissionsarm“ sind.

Für alle drei Klassen gibt es das jeweilige EMICODE-Gütezeichen auch „reguliert“: Ein graues „R“ im Hintergrund weist darauf hin, dass ein Produkt im Hinblick auf Emissionen unbedenklich für die Gesundheit ist, bei der Verarbeitung aber spezielle Schutzmaßnahmen erfordert. Zementhaltige Materialien und Reaktionsharzprodukte, bei deren Verarbeitung Haut und Augen geschützt werden müssen, gehören zum Beispiel dazu.

Hochmoderne Analytik für differenzierte Prüfzeichen

Jede EMICODE-Klasse definiert Grenzwerte für die zu prüfenden Schadstoffe. Das Emissionsverhalten eines Materials wird in speziellen Prüfkammern untersucht. Das geschieht anhand von entsprechend der Produktart hergestellten charakteristischen Proben. Im Prüferfahren werden nach drei und nach 28 Tagen Luftproben entnommen und analysiert. Mit hochmoderner Laboranalytik können dabei selbst geringste VOC-Konzentrationen in der Luft bestimmt werden.

Das Prüfverfahren ist sehr komplex. Die Summe der Einzelkonzentrationen ergibt den TVOC-Wert (Total Volatile Organic Compound), die Gesamtsumme an Emissionen, die für die Einstufung eines Produktes in eine EMICODE-Klasse ausschlaggebend ist. Weil sich Produkte in ihrer Konsistenz unterscheiden, werden zudem unterschiedliche Auftragsmengen auf die Prüfkörper aufgebracht. Das wiederum führt zu verschiedenen Emissionseigenschaften und differenzierten Grenzwerte für die einzelnen Produktarten. Pauschale Aussagen, welche konkreten stofflichen Eigenschaften die drei EMICODE-Siegel in einem Produkt auszeichnen, lassen sich deshalb nicht treffen.

Fortschritt in Richtung gesundes Wohnklima

Prüfzeichen im Bauwesen sind nur wirkungsvoll, wenn alle Beteiligten bei ihrer Anwendung an einem Strang ziehen. Das bedeutet nicht zuletzt, dass Hersteller sich zu Produktqualität bekennen müssen, damit die Industrie einen Anreiz hat, in die Entwicklung neuer, emissionsoptimierter Rohstoffe zu investieren. Dann bringen Gütesiegel wie EMICODE einen Fortschritt in Richtung gesundes Wohnklima und alle gewinnen: Großunternehmen, kleine Betriebe, das Handwerk – und vor allem der Endverbraucher.

 

 

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