Neuerungen bei der DGNB-Zertifizierung

Nachhaltige Innenräume und KfW-Förderung

Nachhaltig bauen ergibt Sinn – ökologisch, ökonomisch und soziokulturell. Zudem ist „Nachhaltige Architektur“ als Qualitätsmerkmal zunehmend gefragt. Damit Bauherren diese nachweisen können, gibt es Zertifizierungssysteme. Das wichtigste Zertifikat hierzulande kommt von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Zwei Neuerungen machen DGNB-Zertifizierungen ab sofort besonders attraktiv: ein Nachhaltigkeitszertifikat für Innenräume und die Förderung nach KfW.

DGNB: Internationales „Green Building Rating System“

Seit 2009 beurteilt die DGNB als international anerkanntes „Green Building Rating System“ die Nachhaltigkeit von gewerblichen und privaten Bauprojekten. Die DGNB-Auditoren schauen dabei nicht nur auf ökologische Aspekte. Sie betrachten Qualität ganzheitlich über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes oder Bauprodukts. Die Bewertung erfolgt in vier Zertifikats-Stufen: „Bronze“, „Silber“, „Gold“ und „Platin“. Auf den Prüfstand kommen Bestandsgebäude, Neubauten, Quartiere ¬– und seit Anfang 2017 Innenräume. Zwar wurde der Innenausbau schon vorher mitberücksichtigt, bislang aber nur in Zusammenhang mit einer vollständigen Gebäudezertifizierung. Für den Ausbau einer Ladenfläche oder einer Büroetage gab es kein gesondertes Audit.

Neues Nachhaltigkeitszertifikat für Innenräume

Diese Lücke im System schließt seit Januar 2017 ein gesondertes Nachhaltigkeitszertifikat für Innenräume. Denn: Deren bauliche Qualität hat entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die neue DGNB-Zertifizierung stellt deshalb das Wohlbefinden der Gebäudenutzer in den Mittelpunkt. Zu den bewerteten Kriterien gehören: 

  • die Innenraumluftqualität, die zum Beispiel von der Lüftungsrate oder der relativen Luftfeuchte abhängt,
  • der visuelle Komfort, den unter anderem durch Blendfreiheit bei Tageslicht und eine hohe Kunstlichtqualität gesteigert wird, 
  • eine bewegungsfördernde Arbeitsplatzgestaltung,
  • eine zukunftsorientierte Ausstattung, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert,
  • ergonomische, schadstoffarme Möbel mit geringen Umwelteinwirkungen und langer Nutzungsdauer,
  • die Verwendung von Ökostrom,
  • und ein klimaneutraler Ausbau.

Reduzierte, praxisnahe Nachweisführung

Das neue Zertifizierungssystem startet zunächst für gewerbliche Objekte. In einer Erstanwendungsphase bis Juni 2017 wird es erprobt. Die Prüfliste ist übersichtlich: Mit 16 Kriterien bei Büro- und Verwaltungsgebäuden und 13 bei Handelsbauten gestaltet sich der Zertifizierungsaufwand entsprechend gering. Auch die Nachweisführung ist reduziert und praxisnah. Bauherren können die neue Variante ergänzend zu den bisherigen DGNB-Zertifizierungen für Neubauten und Bestandsgebäude einsetzen – auch bei Innenräumen in nicht-zertifizierten Gebäuden. Wie für andere Zertifikate, ist bei Baugleichheit außerdem die Mehrfachzertifizierung von verschiedenen Standorten möglich. Interessant ist das neue System vor allem als Planungswerkzeug für Innenarchitekten, gewerbliche Mieter und Bauherren von Objekten mit einem hohen Ausstattungsgrad. Darüber hinaus erhöht das zusätzliche Nachhaltigkeitszertifikat den Wert einer Immobilie – und ist deshalb auch ökonomisch reizvoll.

KfW-Förderung für Gebäudezertifizierung

Zusätzlich an Attraktivität gewinnen alle DGNB-Gebäudezertifizierungen durch eine neu gewährte Subvention: Seit dem 13. Januar gibt es Förderprogramme der KfW für Zertifizierungen der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Seit dem 1. April 2016 war über die Bestandssanierung hinaus auch der Neubau förderfähig. Nun kommen private Bauherren, die ein Wohngebäude DGNB-zertifizieren lassen, zusätzlich in den Genuss eines KfW-Zuschusses zum entsprechenden Nachhaltigkeitszertifikat: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau übernimmt 50 Prozent der Kosten. Maximal werden 4.000 Euro gezahlt. Bauherren müssen die Förderung, die als „Zuschuss Baubegleitung“ erfolgt, bereits vor der DGNB-Zertifizierung beantragen. Die maximale Fördersumme setzt sich aus verschiedenen Leistungen zusammen:

  •  Zertifizierungsgebühren 
  • Kosten für den Auditor und 
  • andere Leistungen, die unmittelbar im Zusammenhang mit dem Zertifizierungsprozess stehen, wie Innenraumluft- oder Luftdichtheitsmessung und Ökobilanz- oder Lebenszykluskostenberechnung

Gekoppelt ist der Geldfluss an das KfW-Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren“.

Nachhaltige Architektur zahlt sich aus

Schonung wertvoller Ressourcen und geringere Belastung für die Umwelt, mehr Lebensqualität für Bewohner, hohe Wertbeständigkeit und geringere Betriebs- und Unterhaltskosten für Investoren und Bauherren: Nachhaltig bauen ist unter vielerlei Gesichtspunkten interessant. Sinnvolle Neuerungen wie die DGNB-Zertifizierung für Innenräume und die Förderung durch die KfW sorgen dafür, dass nachhaltige Architektur sich in Zukunft noch stärker auszahlt.

 

 

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