Die richtigen Ausschreibungstexte für nachhaltige Architekturprojekte

Wer nachhaltig bauen möchte, muss nachhaltige Baustoffe nutzen. Produkte also, die aus nachwachsenden, gut recycelbaren Rohstoffen bestehen. Doch damit nicht genug: Die Materialien müssen schon umweltschonend hergestellt sein und sie sollten in nachhaltigen Verfahren verbaut werden. Es liegt an Bauherren und Planern, diese Anforderungen bereits im Ausschreibungstext zu formulieren. Sonst bleibt das Projekt der nachhaltigen Architektur ein Traum. Das war bislang leichter gesagt als getan. Es fehlten rechtssicher anzuwendende Kriterien, auf die man bei der Ausschreibung entsprechend hätte zurückgreifen können. Genau hier setzen die neuen Textbausteine von Natureplus an: Sie bieten juristisch geprüfte Formulierungen für Ausschreibungsunterlagen nachhaltiger Architekturprojekte an.  

Nachhaltige Architektur ist Programm

Nachhaltige Architektur und Wohngesundheit: Das wünschen sich viele Verbraucher. Die Politik wünscht es sich auch, spätestens seit September 2015, als die Weltgemeinschaft beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel in New York mit der „Agenda 2030“ neue Ziele für eine nachhaltigere Entwicklung in den nächsten anderthalb Jahrzehnten beschlossen hat. Auch die Bundesregierung will bis 2050 den Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral gestalten. Damit nachhaltiges Bauen die Regel wird, stellt sie institutionellen und privaten Bauentscheidern den jährlich aktualisierten Leitfaden Nachhaltiges Bauen als Ratgeber zur Seite.

Wo der Wille zur Wohngesundheit, ist noch lange kein Weg

Der Wille ist da, bei privaten Bauherren ebenso wie bei öffentlichen Auftraggebern. Schwierig war bislang nur die praktische Umsetzung. Denn nachhaltige Bauprodukte müssen schon bei der Ausschreibung rechtssicher in der Praxis der Bauplanung verankert sein. Seit 2012 bietet das europäische Vergaberecht dafür den juristischen Rahmen. In einem Grundsatzurteil wurde nämlich entschieden, dass öffentlich ausgeschriebene Bauprojekte in den Ausschreibungstexten nachhaltige Bauprodukte fordern können. Private Bauherren sind sowieso frei, zu wählen, was wie bei ihnen verbaut wird.

Schwierige Grundsteinlegung: Die Ausschreibungsunterlagen

Diese Forderungen in die Praxis umzusetzen war bislang aber schwierig. Sie scheiterten meist schon an den Umwelteigenschaften, die der Ausschreibungstext in der Leistungsbeschreibung hätte angeben müssen. Sprich: Man wusste, was man im Resultat wollte – nämlich nachhaltige Baustoffe und Bauweisen. Es fehlten aber klar definierte und vergleichbare Kriterien, die aus Baustoffen nachhaltige Baustoffe machten. Zudem gab es kein Bewertungssystem. Das ist aber nötig, damit Spezifikationen vergleichbar sind. Oder salopp formuliert: Es war unklar, was in eine Ausschreibung rein muss, damit nachhaltige Baustoffe und Verfahren im Angebot stehen, die man dann auch noch gegeneinander abwägen kann.

Kriterien sind das A und O

Aber was sind die Kriterien für nachhaltige Bauprodukte und Verfahren, die man in der Ausschreibung definieren muss? Diese hat der Internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen, Natureplus e.V., jetzt ermittelt. Dafür wurden 21 Umwelt-Gütelabel untersucht und die grundlegenden Nachhaltigkeitsmerkmale für sechs Bauproduktgruppen abgeglichen:

  • Oberflächenbeschichtungen (Lacke/Öle)      
  • Wandfarben 
  • Beschichtungen und Ausbauplatten (Bodenbeläge)   
  • Dämmstoffe    
  • Holzwerkstoffe  
  • und Putze/Estriche  

In einem aufwendigen Verfahren hat Natureplus insgesamt 62 relevante Nachhaltigkeitsmerkmale identifiziert. Relevant bedeutet, dass sie in Ausschreibungen sinnvoll nutzbar, einfach prüfbar, und EU-Vorgaben entsprechend gültig sind. Diese Kriterien lassen sich drei Kategorien zuordnen:  

  • Beschränkung umwelt- und gesundheitsschädlicher Stoffe    
  • Ressourcenschonung, Umwelt- und Klimaschutz        
  • Beachtung von Sozialnormen und Arbeitsschutz

Der Natureplus-Service für nachhaltige Ausschreibungstexte

Natureplus hat noch mehr getan: Sie haben aus diesen Nachhaltigkeitsmerkmalen zusammen mit Juristen Textvorlagen für Ausschreibungsunterlagen formuliert. Planer und Auftraggeber – öffentliche und private – können diese Ausschreibungshilfen kostenlos als Ganzes oder als Textbausteine verwenden. Diese Ausschreibungshilfen lassen sich in jeder Phase des Ausschreibungsverfahrens einsetzen: von der Leistungsbeschreibung über die Festlegung von Zuschlagskriterien bis hin zur Vorgabe von Ausführungsbedingungen, mit denen der Auftraggeber eine nachhaltige Bauweise sicherstellen kann. Bislang enthalten die Ausschreibungsvorlagen die Anforderungen für fünf der sechs Produktgruppen. Dazu zählen Oberflächenbeschichtungen, Wandfarben, Dämmstoffe, Holzwerkstoffe und Putze. Mustertexte für Beschichtungen und Ausbauplatten sollen in Kürze folgen.

Einfacher Nachweis über Umwelt-Labels

Die einbezogenen Gütezeichen werden laufend aktualisiert und sind jeweils als Nachweismöglichkeit für die gewünschten Eigenschaften aufgeführt. In Ausschreibungshilfen sind die Anforderungen entsprechend der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/A-EU) wissenschaftlich exakt formuliert. Gleichzeitig führen sie dabei für jedes Einzelkriterium die Label auf, die Bauprodukte nach VOB/A-EU tragen dürfen, um die jeweilige Anforderung zu erfüllen. So umgeht Natureplus Probleme mit dem europäischen Vergaberecht. Die gäbe es nämlich, wenn nur Produkte ausgeschrieben würden, die ein bestimmtes Label tragen.

Indem die Ausschreibungsvorlagen auch nur als Textbausteine verwendet werden können, ist es möglich, genau die Eigenschaften heraussuchen, die aus Sicht des Ausschreibers oder für seine Zwecke wichtig sind. In den Ausschreibungsunterlagen werden die Texte dann als Teil des Auftragsgegenstandes oder als  technische Spezifikationen in den Vorbemerkungen zum Leistungsverzeichnis aufgeführt. Alle Baubeteiligten wissen so genau, was gefordert und wie es zu erfüllen ist.  

Erfreuliche Perspektiven

In Zukunft wird es also viel einfacher für Bauherren und Planer, Forderungen nach nachhaltigen Baustoffen in ihren Ausschreibungstexten zu verankern – und sich ihren Wunsch nach mehr Wohngesundheit durch eine nachhaltige Architektur zu erfüllen. Natureplus aktualisiert die Ausschreibungshilfen regelmäßig, ergänzt sie um weitere Produktgruppen und bietet einen Beratungsservice an. Alle Textbausteine stehen kostenlos zum Download zur Verfügung.

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