Bautrends 2017

Nachhaltiges Wohnen und intelligente Baustoffe

Die Baubranche ist im Umschwung. Neben der zunehmenden Digitalisierung von Arbeitsprozessen bestimmen gesellschaftliche Trends wie nachhaltiges und gesundes Wohnen die Entwicklungen im Jahr 2017. Die Bundesregierung geht voran – mit ihrem Klimaschutzplan 2050 sowie der Entscheidung, für große Infrastrukturprojekte bis 2020 auf Building Information Modelling (BIM) umzusteigen. Darüber hinaus arbeiten Forscher weltweit an innovativen Baustoffen und Fassadensystemen, die nachhaltige Veränderungen mit sich bringen werden.

1. Nachhaltigkeit: höchste Energieeffizienz

Auch im Jahr 2017 steht die Baubranche im Zeichen der Nachhaltigkeit. Mit dem Klimaschutzplan 2050 strebt die Bundesregierung an, bis zum Jahr 2050 die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Konkret bedeutet das eine Reduzierung von 80 bis 95 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990. Klimaneutrale Städte und Gemeinden sollen entstehen und die Lebensqualität für alle Bewohner ansteigen. In diesem Rahmen sieht das neue Gebäudeenergiegesetz in seiner Version von 2017 vor, dass öffentliche Neubauten ab 2019 und private Neubauten ab dem Jahr 2021 den Niedrigstenergiestandard erfüllen. Das heißt, ihr Energieverbrauch tendiert gegen Null. Hier spielen eine hohe Klimaschutzwirkung sowie geringe Bau- und Bewirtschaftungskosten eine große Rolle. Doch auch Bestandsgebäude erfordern eine energetische Sanierung an Dächern, Fassaden und in der Haustechnik, mit dem Ziel, die Energieeffizienz zu erhöhen.

2. Wohngesundheit: umweltfreundliche Bau- und Dämmstoffe

Das wohngesunde Bauen hängt eng mit der Nachhaltigkeit zusammen. Dieser ganzheitliche Ansatz umfasst unter anderem den Einsatz umweltfreundlicher Bau- und Dämmstoffe. Als neue Materialien etablieren sich Hanf, Flachs, Zellulose und Seealgen auf dem Markt. Es handelt sich dabei um nachwachsende Rohstoffe, die ohne Schäden für die Umwelt recycelt oder entsorgt werden können. Einige der ökologischen Dämmstoffe schneiden in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften sogar besser ab als konventionelle Materialien. Beispielsweise überzeugt Zellulose durch niedrige Herstellungskosten und eine schwere Entflammbarkeit. Im Bereich der Kleber und Dichtungsmaterialien geht die Tendenz ebenfalls dahin, mögliche Schadstoffemissionen weitestgehend zu reduzieren, indem innovative und ökologische Bestandteile zum Einsatz kommen.

3. Modulare Bausysteme: flexibel und schnell

Im Zusammenhang mit dem Tiny-House-Trend in Deutschland sind neue Gebäudeformen entstanden: die Modulhäuser. Angesichts der demografischen Herausforderungen – viele Alleinstehende, häufiger Wohnortwechsel, Wohnungsknappheit in den Ballungsräumen – bieten diese Fertigbausysteme sehr viel Flexibilität. Sie sind beliebig erweiterbar und können bei Bedarf mit umziehen. Mit dieser neuartigen Bauweise verringern sich die Konstruktionszeiten, sodass große Gebäudekomplexe innerhalb weniger Tage entstehen können. Die Module sind kleiner als beim konventionellen Fertigteilhaus, was den Transport erleichtert und zugleich individuelle Gestaltungsspielräume eröffnet.

4. Innovative Fassadensysteme: Solartechnik 2.0

Die Fassaden der Zukunft dienen nicht nur dem Schutz vor Verwitterung, sondern unterstützen durch eingebaute Solartechnik bei der Energieerzeugung. Verschiedene Forschungseinrichtungen weltweit beschäftigen sich damit, wie die Photovoltaik-Elemente gestaltet sein müssen, um sowohl die Sonnenenergie aufzunehmen, als auch Tageslicht zu spenden. Hierzu gehören innovative Verfahren zur schnelleren Produktion Wafer-basierter Module, Solarkonzentratoren und transparentes Holz. Darüber hinaus soll mit neu entwickelten, automatisierten Verschattungs- und Belüftungssystemen der Wärmeaustausch zwischen Innen- und Außenluft weiter optimiert werden.

5. Smart Building Materials: die intelligenten Pflanzen

Clevere Baumaterialien werden auch in Fassaden verwendet. Sie sind nicht statisch, sondern dynamisch. Das heißt, sie reagieren auf Veränderungen in der Umwelt. In einer Bioreaktorfassade in Hamburg wachsen beispielsweise seit 2013 Mikroalgen in speziellen Glasmodulen. Sie wandeln die Sonnenenergie in thermische Energie um und erzeugen zugleich Biomasse, die zur Biogasgewinnung weiterverwertet wird. Ein Klassiker unter den Baustoffen, das Holz, erlebt dagegen derzeit eine Renaissance. Da es Kohlendioxid in seinen Fasern speichert, kann ein Gebäude aus diesem an sich einfachen Material die Emission von Treibhausgasen verringern. Solche neuartigen und bewährten Smart Building Materials werden die Baubranche nachhaltig verändern.

6. Home Automation: die digitale Vernetzung von Gebäuden

Smart Home, die digitale Vernetzung von Haustechnik, Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik, gehört 2017 zu den Trends der Baubranche. Dieses technische Verfahren verfolgt drei Ziele: eine effiziente Energienutzung, mehr Sicherheit und eine Erhöhung des Wohnkomforts. Zahlreiche Anbieter mit unterschiedlichen Funklösungen existieren bereits auf dem Markt. Die Tendenz geht immer mehr zu Kooperationen zwischen verschiedenen Herstellern. Damit schaffen sie Systeme, die untereinander kompatibel sind und mehr Flexibilität beim Anschluss von Geräten bieten. Die Fraunhofer-Allianz BAU sieht beispielsweise in automatisierten Belüftungs- und Beschattungssystemen sowie in miniaturisierter Sensortechnik große Potenziale für die Zukunft.

7. Digitale Transformation der Baubranche: BIM auf dem Vormarsch

Die Arbeitsweise des Building Information Modelling (BIM) ist einigen Architekten und Bauherren bereits bekannt. Insbesondere öffentliche Auftraggeber fordern diese Herangehensweise.  Das Bundesverkehrsministerium sieht bis 2020 eine stufenweise Einführung vor, um große Infrastrukturprojekte zu optimieren. BIM sorgt für eine bessere Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten, mehr Transparenz und eine Reduzierung von Baurisiken. Anhand eines digitalen 3D-Modells können die Ingenieure und Techniker vor Baubeginn Simulationen der Fachplanungen durchführen und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig aufdecken. Die verschiedenen Software-Hersteller verbessern ihre Produkte immer weiter, um ein effizientes Projektmanagement sowohl für die Bau- als auch für die Nutzungsphase von Gebäuden und Anlagen zu ermöglichen. 

Fazit: Die Zukunft des Bauens ist effizient

Das Wort „Effizienz“ fasst die Bautrends 2017 zusammen: effiziente Energiegewinnung, effizientes Projektmanagement und effiziente Verwaltung von Gebäudetechnik, z.B. in Form von Smart Homes und automatisierten Fassadensystemen. Grund dafür sind vor allem die Vorgaben von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Innovative Forschung und die Digitalisierung werden dazu beitragen, dass die Baubranche diese Ziele erreichen kann. Weitere Informationen zum Thema Ökologie im Bauwesen finden Sie in unserem Beitrag „Nachhaltiges Bauen“.  

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